„Jede Schule ist wertvoll“

Antragssteller: Fabian Schefczik, Lennard Kroll, Edda Sommer, Annika Schürholz, Marco Neblik, Liza Brachtendorf, Sophia Brachtendorf, Léon Beck, Karolina Januszkiewicz

 

Die Jungen Liberalen Ruhrgebiet sehen Bildung als das wichtigste Gut der Menschen an und identifizieren sie als Kernthema einer erfolgreichen, liberalen Politik. Jedoch darf Bildung nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Aktuell ist die Abhängigkeit des beruflichen und sozialen Werdegangs vom erlangten Schulabschluss zu groß und die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen (sowohl nach oben als auch nach unten) zu gering. Gleichzeitig klagen neben Hochschulen auch viele Ausbildungsbetriebe über sinkendes Wissensniveau der Absolvent/innen. Eine konkrete Folge dessen ist, dass einige Betriebe Ausbildungsstellen nur noch an Abiturient/innen vergeben, obwohl andere Bildungsabschlüsse die Anforderungen ebenfalls erfüllen. Dies hat eine sinkende Anzahl von Hauptschulen sowie Hauptschüler/innen bei einem gleichzeitig rasant wachsendem Anteil an Abiturienten/innen zur Folge. Die Wiedereinführung der Wahlfreiheit zwischen G9 und G8 sehen wir als einen wichtigen Schritt an, allerdings betrifft dieser Schritt ausschließlich Schulen mit Sekundarstufe II. Um der geschilderten Entwicklung weiter entgegenzuwirken, fordern wir:

  • Mittelfristig soll das Niveau aller staatlicher Schulformen deutlich angehoben werden. Dies betrifft neben Lehrplänen auch Abschlussprüfungen. Das Zentralabitur ist ein wichtiger Baustein des Bildungssystems und soll beibehalten werden, um Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu gewährleisten. Eine Übergangsregelung muss bei Anhebung des Niveaus gewährleistet werden.
  • Eine Anhebung des Lernstandniveaus nach Erreichen der jeweiligen Schulabschlüsse muss zwingend einhergehen mit einer Anerkennung durch Lehrbetriebe, welche vermehrt Schulabgänger ohne Abitur annehmen sollen. Eine Vergabe der Ausbildungsplätze ausschließlich an Abiturienten/innen soll nur in Ausnahmefällen erfolgen.
  • Lehrmethoden sollen von der Schule statt vom Staat bestimmt werden. Wir sprechen uns daher für eine Weiterführung alternativer Schulkonzepte (Waldorf, Montessori, Dalton etc.) aus, solange das Erreichen der Bildungsabschlüsse nicht gefährdet wird. Für Schüler*innen der Sekundarstufe II regen wir eine Verstärkung des projektbezogenen Lernens an.
  • Die Anzahl der Schüler/innen soll wieder gleichmäßig auf die unterschiedlichen Standardschulformen (Hauptschule, Realschule und Gymnasium) verteilt werden, die Gesamtschule bildet hier eine Ausnahme. 
  • Gesamtschulen sollen nicht den Charakter einer Gemeinschaftsschule erhalten, sie sollen weiterhin das dreigleisige Schulsystem unterstützen und nicht ersetzen.
  • Anmeldungen für weiterführende Schulformen sollen sich an der Empfehlung der Grundschullehrer/innen orientieren und dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen abweichen. Gründe für eine Abweichung wären beispielsweise Gutachten über die Lernfähigkeit der Kinder.
  • Wiederholung einer Jahrgangsstufe soll weiterhin möglich sein und von Lehrkörpern in entsprechenden Fällen den Schüler/innen nahegelegt werden. Jedoch soll bei einer anstehenden zweiten Wiederholung innerhalb einer Sekundarstufe (5-10. bzw. 11-13. Stufe) ein Schulformwechsel zu einer Schulform des darunter liegenden Abschlusses angeregt werden. Begründete Einzelfälle sollen aus dieser Regel ausgenommen werden können.
  • Die Durchlässigkeit des Schulsystems,,nach oben” muss deutlich gefördert werden, um „Spätstarter“ besser zu unterstützen. Insbesondere soll ein Schulwechsel nach jedem Schuljahr möglich sein, um die Schüler/innen möglichst früh in die höhere Schulform einzubinden. Auch die Durchlässigkeit “nach unten” muss verbessert werden und vom Stigma des Scheiterns befreit werden. Dazu muss eine bessere Kooperation zwischen Schulleitung, Lehrern und Eltern gewährleistet werden, um das Kind optimal auf die Situation vorzubereiten.
  • Schulabbrüche sollen durch eine verstärkte Schulsozialarbeit vermieden werden.

 

Begründung:

Im Jahre 2019 wurden in der Stadt Bochum von etwa 2500 Grundschulabgängern rund 1000 Kinder für ein Gymnasium angemeldet, 800 weitere für eine Gesamtschule. Für die Bochumer Hauptschulen gab es hingegen nur etwa 110 Anmeldungen. Einer fairen Verteilung auf alle Schulformen entspricht dies nicht, viel mehr werden Haupt- und Realschulen effektiv abgewertet. Die Auswirkungen sind gestiegene Ansprüche an den formellen Schulabschluss von Seiten der ausbildenden Betriebe, so dass oftmals junge Menschen mit Hauptschulabschluss keinerlei Chancen bekommen. Publik wurde vor wenigen Jahren auch eine Bochumer Hauptschule, welche der Abschlussklasse bereits das Ausfüllen eines ALGII-Antrags beibrachte und nur 2 von 30 Absolvent/innen überhaupt in einem Ausbildungsbetrieb aufgenommen wurden. Vergleicht man dies mit den Aussagen der Betriebe, dass viele Absolvent*innen nach dem Abschluss ungeeignet seien, bleibt als Schluss nur die Möglichkeit das generelle Schulniveau anzuheben und so auch die „unteren“ Bildungsabschlüsse wieder konkurrenzfähig zu machen. Gleichzeitig würde so der Niveauverlust des Abiturs aufgefangen, welcher die Hochschulen zu einer immer weiterführenden Absenkung der Ansprüche zwingt.